Atemlos in Berlin


Ich habe wirklich beschissene zwei Tage hinter mir, zum zweiten Mal in Folge (20. März) und das auch noch so kurz hintereinander. Beim ersten Mal war ich überzeugt, keinen Notarzt anzurufen, die Scham war zu groß, das „Outbreak-Leute“ der Nachbarschaft mitteilen, das es mich evtl. erwischt haben könnte. Dazu die Angst vor dem Krankenhaus und der Intensiv, was evtl. damit los getreten werden könnte. Und was, wenn ich es nicht habe und ich es mir dann wohlmöglich noch im Krankenhaus hole, wo es kaum Schutzkleidung gibt. Oder ich hab es sogar und stecke Krankenhauspersonal an. Das schien mir alles riskanter, denn das waren mir einfach zu viele Konjunktive.

Diesmal aber war es so ernst, das ich nach Jahren wieder Kontakt zu meinem Bruder aufnahm, um ihn zu fragen, ob ich ihn auf meine Notfallliste setzen kann. Fünf Tage nach meiner ersten Radtour war ich diesmal kurz davor, mich wegen Atemnot abholen zu lassen, tat es aber wieder nicht; auch aus Angst vor Abweisung, schließlich konnte ich mich auch nicht frühzeitig testen lassen, weil es für Berlin eine Statistik mit beginnender Pandemie gibt, in der ich demzufolge nicht vorkommen kann.
Ich hatte noch nie solch Angst in meinem Leben. Ich bleibe also beim altbewährtem Motto: „Hilf dir selbst, sonst hilf dir keiner“.

Und weil ich Luft brauche, aber Spaziergänge nicht schaffbar für mich sind, habe ich mich heute wieder auf das Rad gesetzt und bin erneut im Schneckentempo den Pankeweg (Pankow & Gesundbrunnen) lang gefahren und immer dort, wo ich nicht auf Menschen traf.

– nahe an der Bibliothek an der Panke in Gesundbrunnen

Vielleicht ist es idiotisch, aber ich kann mir nicht vorstellen, das es mir schaden kann. So lange ich im Slow-Modus unterwegs bin und auch so, das ich es körperlich gut schaffen kann, sehe ich darin nur Positives. Ich habe zwar anfangs immer bestialische Lungenschmerzen und ein Brennen, das wird aber nach kurzer Zeit Rad fahren dann sofort wieder besser. Weil die Lungen sich halt auch anstrengen müssen.
Ich fühle mich einfach nur lost (und damit völlig allein gelassen), aber ich habe mir geschworen, in Bewegung zu bleiben und die Lungen jeden Tag mit viel Sauerstoff zu versorgen. Jammern ist nicht, sondern Zähne zeigen!

Das ich heute auch noch diesen „Seiltanz“ vor die Linse bekam, stimmte mich sehr nachdenklich und passt leider gut zu meiner momentanen Lage:

– Koloniestraße

Ungefähr 2 Stunden war ich unterwegs. Super langsam natürlich und mit vielen Pausen, aber immerhin!

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